emu5.de

Damals war es Triathlon. Heute ist es Emu5.de
Aktuelle Zeit: 04 Okt 2026 22:33

Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde [ Sommerzeit ]




Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 4096 Beiträge ]  Gehe zu Seite Vorherige  1 ... 270, 271, 272, 273, 274
Autor Nachricht
 Betreff des Beitrags: Re: MS: Mein Sport, Mein Spaß, Meine Sehnsüchte
BeitragVerfasst: 04 Okt 2026 14:13 
Offline
Schach-Emu
Benutzeravatar

Registriert: 08 Aug 2010 07:19
Beiträge: 7148
Konsequenzen bei zu hohen Zielen

Mit den Taubertal 100 hatte ich noch mehrere Rechnungen offen. 2 DNS und 3 Finish, aber jedesmal auf dem letzten Zahnfleisch. 2019 die 50 km mit Ach und Krach, 2018 die 100 km mit am Ende 25 km wandernd, muskulär völlig am Limit, 2017 die 70 km mit 20 km ins Ziel schleichen.
Jeder Vernünftige würde dann akzeptieren, dass so ein Wettkampf für ihn keinen Sinn machen würde.
Dummerweise übt sowas aber gerade dann einen besonderen Reiz für mich aus, zumal die Idee eines Botenläufers, die Landschaft, Organsisation und Stimmung prächtig sind.
Trainert hatte ich nach dem IM Hamburg sehr konsequent, konzentriert und zielgerichtet. Doch ab einer gewissen Streckenlänge musste ich, mit einer einzigen Ausnahme, immer entweder dem Tempo oder meiner mangelhaften Energieumwandlung Tribut zollen.
Die letzten Abmeldezeitpunkte für den Start, Hotelbuchung und Fahrt verstrichen, also stand ich gestern um 6 Uhr doch am Start im Taubertal unterhalb von Rothenburg ob der Tauber. Das Ziel war an einem sehr guten Tag bei km 70 zu finishen, notfalls aber auch bereits bei 50km. Die 100 km undenkbar.

Anfangs liefen wir durch ein Spalier von Mönchen mit Fackeln. Keine echte Mönche, sondern freiwillige Helfer. Herzblatt war auch dabei.
Die Stimmung war einzigartig, eine dunkle friedliche Landschaft, nur erhellt von den vielen Stirnlampen. Wohltuend gemütlich sortiert sich das Feld auf dem Taubertalradweg. Die Strecke ist ewiglang, keine Konkurrenz, sondern nur ein gemeinsames Ziel. Ankommen mit einer Botschaft.
Ich starte bewusst weit hinten und zurückhaltend mit einem Schnitt von etwas über 7 min/km.Ungefähr alle 5 km kommt eine Verpflegungsstelle mit Getränken.
Anfangs ist alles noch locker und gemütlich. Nach einer Stunde hellt sich die Landschaft langsam auf, umrahmt von nassem Nebel.
Bei km 15 treffe ich Herzblatt. Sie nimmt mir die Stirnlampe, Armlinge, Mütze und Handschuhe ab, reicht mir meine "Immer dabei"-Laufmütze von der Challenge Roth, Sprudel und Energieriegel mit möglichst wenig Fructose. Ein erster kleiner Gag ist, dass sich bei ihr immer wieder eine jüngere Frau befindet, deren Sohn auch mitläuft. Kurioserweise hatte sie mich vor dem Start über meine geplante Distanz und Ziele angesprochen, wobei ich erwähnte, dass aufgrund meiner MS die 70 km super wären. Zufällig traf sie später auch Herzblatt und erzählte ihr, dass sogar ein Läufer teilnehmen würde, der MS habe. Daraufhin Herzblatt: Ja, dass ist mein Mann :blue .
Die Anfeuerungen erfolgten natürlich im Vergleich zu Roth oder Hamburg nicht in solchen Massen, aber dafür persönlicher und sehr herzlich.
Ich genieße die romantische Landschaft und das Aktivsein-Dürfen, das Gefühl doch noch nicht ganz vergangener Jugend. Der Schnitt hält weitgehend, ich passiere bekannte Streckenabschnitte an denen ich vor Jahren bereits mächtig angeschlagen war.
In Weikersheim dürfen wir durch den Schlosshof laufen, sonst immer meist den Taubertalradweg entlang. In Bad Mergentheim folgen ungeliebten Schleifen durch den Park, links und rechts, um auf die 50 km zu kommen. Mittlerweile merke ich die Belastung schon spürbarer, habe trotz, für mich eigentlich sehr viel Trinken, merklichen Wassermangel. Nach 50 km und 6.05 Stunden werde ich im Ziel von Bad Mergentheim herzlich und sehr freundlich vom Zielsprecher begrüßt. @hero, vielen Dank nochmals dafür, auch für das persönliche Treffen
Relativ schnell laufe ich weiter durch das Schloss, übersehe eine Bodenwelle und lege fast einen Diver hin, kann mich aber gerade noch abfangen.
Die Strecke ist jetzt relativ flach und gut zu laufen. Ich werde zwar etwas langsamer, aber der Schnitt liegt immer noch unter 7.30 min/km. Die Zeit vergeht, wie im Leben wird es zunehmend herausfordender, aber kein Grund aufzugeben. Soll ich nach 70 km doch weiter laufen? Ich bin mir bewusst, dass ich, egal welche Entscheidung ich treffen sollte, ich es bereuen werde Entweder kurzfristig auf der Strecke, weil ich mit Sicherheit noch herb einbrechen werde oder langfristig, weil die Chance die 100 km im Taubertal zu finishen mit ziemlicher Sicherheit nicht mehr kommen dürfte.
Ich erreiche die 70 km in Tauberbischofsheim in 8.40 Stunden, 5 Minuten vor meinem persönlichen Limit für das Weiterlaufen.
Also, dann doch weiter.
etzt beginnt es allerdings sehr zäh zu werden. Beine muskulär zu, meine Wasser- und Energieprobleme zunehmend herausfordernder. Der Schnitt sinkt auf rund 8 min/km, anderen geht es aber auch nicht besser.
Km 75 in Hochhausen. Hier legte ich mich 2018 wegen Kreislaufproblemen auf eine Bank bei der Verpflegungsstelle und musste dann noch 5 Stunden ins Ziel wandern.
Wandern ist auch heute sicher, die Frage ist nur ab wann. Ab KM 80 kommen noch viele herbe Steigungen, insgesamt auf den 100 km immerhin fast 600 Höhenmeter. Passt ja dann zum Wandern .
Noch trabe ich ich, allerdings immer langsamer, über 9 min/km. Doppelter Marathon erreicht, ich mitterweile völlig platt. Nichts geht mehr. Ich werde allerdings auch immer wieder besonders herzlich angefeuert, einmal von Leidensgenossen, die sich für das gegenseitige Unterstützen bedanken oder vermutlich auch, weil ich eine ärmellose Radweste der Besi@Frineds mit dem Motte "Rad statt Rollstuhl" trage.
Km 88, jetzt ist der Ofen endgültig aus. So weit war war ich, ohne längere Wanderabschnitte, noch nie unterwegs. Jetzt hilft nur noch Wandern. Zum Glück kann ich jetzt wieder meine Armlinge und Handschuhe anziehen, es wird mit untergehender Sonne merklich kühler und dunkler. Es zieht und zieht sich und zieht und zieht sich. Aus dem dunklen Wald kommend sehe ich die prachtvolle beleuchtete Wertheimer Burg. Unten treffe ich Herzblatt. Gemeinsam wandern wir durch die Stadt und am Main entlang zum Ziel. Nach exakt 14.00.00 Stunden finishe ich die 100 km, immerhin noch 26 Minuten schneller als 2018.

Jetzt folgt noch eine besondere Herausforderung. Ich muss mich vor dem Burgherrn und der Burgfrau hinknien und erhalte einen dreifachen Ritterschlag mit Spruch und anschließend noch einen Schlag mit einem Ritterhandschuh, auf dass dieser der letzte Schlag sein solle, auf den ich mich nicht wehren dürfte.

Meine diesmal übermittelte persönliche Botschaft: zu hohe Ziele kann man natürlich nicht immer erreichen, ein Scheitern ist einzukalkulieren, aber mit wirklichem Wollen und einer gewissen Portion Glück kann man auch solche Ziele mitunter schon erreichen. Mit vorher Aufgeben scheitert man definitv. :keko

_________________
Für den Kuchen nach dem Sport :bse


Nach oben
 Profil  
 
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:  Sortiere nach  
Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 4096 Beiträge ]  Gehe zu Seite Vorherige  1 ... 270, 271, 272, 273, 274

Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde [ Sommerzeit ]


Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 138 Gäste


Du darfst keine neuen Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst keine Antworten zu Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht ändern.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du darfst keine Dateianhänge in diesem Forum erstellen.

Suche nach:
Gehe zu:  
Impressum  |  Datenschutzerklärung
Powered by php.BB © 2000, 2002, 2005, 2007 php.BB Group
Deutsche Übersetzung durch phpBB.de