drullse hat geschrieben:
Voldi hat geschrieben:
Vielleicht bin ich aber auch einfach zu naiv für diese Welt
Du bist nicht naiv. Ich unterstelle nur einfach mal einen zu schmalen Betrachtungshorizont (ungewollt, nicht absichtlich).
Als ich anfing zu studieren, waren die Berufsaussichten für meinen Zweig hervorragend. Als ich fertig war, waren sie katastrophal. Ich kenne aus meinem Studiengang (ca. 130 Abgänger) nur eine Handvoll, die im studierten Beruf arbeitet, weil es schlicht keine Jobs mehr gab. Believe it or not.
Und wenn ich dann sehe, wie eiskalt hier die Gehälter gedrückt werden, auch und grade durch ausgelagerte Tätigkeiten im Rahmen von Ausschreibungen, dann mag das Marktwirtschaft sein - Ausbeutung ist es trotzdem. Und das in einer Firma, die das Wort "sozial" sogar im Firmennamen trägt.
Wieso müssen denn soviele Menschen ihr Gehalt mittlerweile aufstocken? Wieso gibt es so viele Zeitarbeiter, die weniger bekommen als die Festangstellten Mitarbeiter? Die haben alle den falschen Beruf ergriffen? Werden eigentlich gar nicht benötigt und deshalb kann man die Löhne drücken?
Wer mich kennt weiß: ich suche die Schuld selten bei den Anderen, was den Arbeitsmarkt angeht aber hat der Normalbürger sehr wenige Chancen, mitzubestimmen.
Wahrscheinlich ist mein Betrachtungshorizont zu gering ... das mag ich auch gar nicht abstreiten. Jeder kann nun mal aus seiner 'eigenen' Perspektive am besten urteilen und ich habe keinerlei negativen Erfahrungen gemacht (OK natürlich
könnte ich jammern, weil die Tarifangestellten in unserer Firma dieses Jahr 4.1% mehr Gehalt bekommen und ich als AT trotz längerer Arbeitszeiten keine Gehaltserhöhung und so wie es aussieht dieses Jahr auch kein Bonus ausbezahlt wird ... ich kann trotzdem von meinem Gehalt Leben und mich für die Tarifangestellten freuen weil sie eine Gehaltserhöhung bekommen). Wenn ich mich in meinem direkten Bekannten- und Verwandtenkreis umschaue ist es ähnlich. Selbst Freunde die ihren Job verloren haben haben neue Anstellungen zu nicht schlechteren Konditionen gefunden. Liegt vielleicht auch an der Region ... das mag sein.
Aber ich bin sehr gerne bereit meinen Betrachtungshorizont zu erweitern.
Du schreibst der 'Normalbürger' hat sehr wenig Chancen den Arbeitsmarkt mitzubestimmen? OK ... aber wer hat diese Chancen den?
Die Politiker? Sind das nicht Vertreter des Volkes und damit der Normalbürger? Nehmen wir mal an die 'Normalbürger' (was sind den die 'Nicht-Normalbürger? Die oberen 10.000? Alle €Millionäre in Deutschland?) machen einen Großteil der Bevölkerung aus, dann sollten diese doch auch ganz maßgeblich jedes Wahlergebnis beeinflussen und daher in selbigen überrepräsentativ vertreten werden?
Die Unternehmen? In den genannten Beispielen Kindergarten und öD zum großen Teil doch auch der Staat? Wer ist den der Staat? Eine zum Großteil aus 'Normalbürgern' bestehende Volksgruppe vertreten durch die gewählten Politiker?
Die Investoren? Was machen den eigentlich Investoren? Sie investieren Geld, dass sie zum großen Teil nicht mal selbst besitzen sondern sich von Banken leihen. Wie kommen also die Banken an das Geld? Sind das nicht wieder die 'Normalbürger' die ihr Geld zur Bank bringen um dafür Zinsen zu bekommen? Das dieses gesparte Geld von irgendjeman anderen aufgenommen und investiert werden muss damit für den 'Normalbürger' am Ende Zinsen abfallen können sollte doch auch jeden bewusst sein, oder?
Die Weltwirtschaft? Was istd en die weltwirtschaft? Irgendwie schwer greifbar ... aber hat sicher irgendwas mit Carbonrahmen aus Fernost, Kleinwagen aus Japan und turnschuhen aus Vietnam zu tun, die jeder 'Normalbürger' konsumiert.
Die Nicht-Normalbürger? Ich weiss immer noch nicht genau wie man sich zum Nicht-Normalbürger qualifiziert, aber ich bin ganz sicher, dass es ohne Normalbürger auch keine Nicht-Normalbürger geben würde.
Wer könnte also etwas am Arbeitsmarkt ändern, außer der Normalbürger? Sicher nicht ein einzelner alleine, aber wählt nicht der Großteil der 'Normalbürger' alle 4 Jahre wieder genau die gleichen Parteien? Nimmt nicht der 'Normalbürger' (oder zumindest der Großteil der Normalbürger) diese Nachteile unseres Systems durch seine Teilnahme und Unterstützung selbigens billigend in Kauf nur um die Vorteile (freie Berufswahl, soziale Absicherung, Krankenversicherung, Urlaubsreisen in ferne Länder, ...) die er persönlich daraus ziehen kann zu nutzen.
Ich gebe dir absolut recht ... der soziale Aspekt der Marktwirtschaft tritt immer weiter in den Hintergrund. Und er wird noch viel mehr in dne Hintergrund treten wenn zukünftig die Kluft zwischen Arm und Reich, zwischen Normalbürger und Nicht-Normalbürger', noch größer wird. Aber anscheinend wird das doch von der Mehrzahl der Normalbürger getragen ... wenn ein Großteil dieser Normalbürger bereit wäre etwas zu ändern, dann würde es sich auch ändern. Den ohne Mitwirken des Normalbürgers funktioniert das System (und nicht nur unser System der 'sozialen' Marktwirtschaft sondern kein System der Welt) nicht und würde wie ein Kartenhaus in sich zusammenbrechen. Aber das wird nicht passieren ... schon alleine weil wir Normalbürger viel zu bequem sind etwas zu ändern und viel zu viel Angst haben unseren Lebensstandard (und der ist global Betrachtet für jeden in Deutschland sehr hoch) oder eines unserer Statussymbole zu verlieren.
So das muss jetzt reichen ... mir steht jeder der Horror eines jeden Normalbürgers bevor. IKEA

... wünscht mir Glück
