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 Betreff des Beitrags: Re: MS: Mein Sport, Mein Spaß, Meine Sehnsüchte
BeitragVerfasst: 17 Feb 2026 08:51 
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Schach-Emu
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Registriert: 08 Aug 2010 07:19
Beiträge: 7134
ulmerandy hat geschrieben:
:tomtiger
Guten Morgen,

schön mal wieder was von Dir zu lesen - weniger schön was :nono
Aber Du bist ein Stehaufmännchen und wirst uns bestimmt bald wieder mit krassen Aktionen beeindrucken :hammer

Viele Grüße und Gute Besserung

Andy


Vielen Dank, aktuell geht es mir, außer gelegentlichen Hustenreizen, schon deutlich besser. Zum Glück wohnen wir nicht in Lawinen gefährdeten Gegenden :censored
Die nächsten Wochen bleiben wohl sehr hart, aber vielleicht bringt der Frühling doppelte Stimmungsaufheller.

_________________
Für den Kuchen nach dem Sport :bse


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 Betreff des Beitrags: Re: MS: Mein Sport, Mein Spaß, Meine Sehnsüchte
BeitragVerfasst: 09 Jun 2026 09:37 
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Schach-Emu
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Registriert: 08 Aug 2010 07:19
Beiträge: 7134
Never be enough

Wann hört man auf zu leben? Wenn man seine Träume verliert?

Anfang April war ich einfach platt, leer im Kopf, gefangen im Hamsterrad der Pflichterfüllung. IM Hamburg, keine Chance.
Ich suche nach den Abmeldebedingungen, verschieben würde keinen Sinn machen, Besserungen fraglich. Nach erster Recherche wäre das Geld eh fast ganz weg, also gebe ich mir eine Chance auf den Frühling, eine Woche Osterurlaub, immer wieder verlängerte Wochenenden.
Es wirkt, erste lange Radeinheiten in schöner Landschaft, Hoffnung. Keine glorreichen Zeiten oder Einheiten, aber was will ich mit 60, MS, permanenten Schlafstörungen und immer neuen Nickligkeiten schon erwarten? Genau, nichts, aufgeben aber auch nicht.

Es folgt ein permanentes Auf und Ab, der Trend entwickelt sich trotzdem zunehmend positiv. Zumindest die Umfänge klappen relativ gut.

Showdown Donnerstagnachmittag vor Hamburg. Bis dahin habe ich bewusst mein ganz normales Training durchgezogen, lediglich auf absolute Killereinheiten verzichtet. Der Kopf ist so frei und willig.
Erst jetzt schaue ich auf die Wettervorhersage.
Autsch :toblerone
Das sieht gar nicht gut aus. Kühl bis kalt, Regen bis viel Regen, viel Wind bis ganz viel Wind. Mist

Mit meinem besseren MTB ist viel Wind ein finaler Leistungskiller. Rendiert sich so die lange Fahrt, der Aufwand? Daheim hätte ich schönstes Sonnenwetter, ideal für eine gemütliche Radtour. Andererseits hatte ich 2025 gekniffen, weil da sogar ein Veranstaltungsausfall im Raum stand. Diese Gefahr besteht heuer nicht.
Ich richte meine Sachen, verschiebe die Entscheidung auf Samstagfrüh 2.30 Uhr. Herzblatt ist zum Glück extrem flexibel :kuss

Nein, nein, nein, doch.
Ich nehme es als reinen Trainingstag, mit relativ warmer Radjacke, dicken Armlingen und Helmmütze. Es kommt, wie es kommt, aber wenn ich gar nicht starte, werde ich auch nicht wissen, wie weit ich gekommen wäre.
Um 3.45 Uhr fahren wir los.
Die 600 km Fahrt klappt problemlos, in Hamburg scheint (noch :pfeif ) ) die Sonne. Wir parken am Hotel, ruhen uns etwas aus, wandern später zum Abholen der Startunterlagen und checken anschließend das Rad ein. Zurück im Hotel können wir das Zimmer beziehen. Ich ruhe mich aus. Herzblatt geht shoppen bzw. zur Hafenbesichtigung. Der Rest ist Routine. Warten, verpflegen, warten, nicht durchdrehen. Wir ignorieren alle nicht passenden Wetterapps, bis auf eine, die zwar auch viel Wind, aber nur kühle Temperaturen mit nur wenig Regen vorhersagt:Lachen2: .
Jetzt können wir eh nichts mehr ändern.
Nach wenig, aber zumindest etwas Schlaf, klingelt um 3 Uhr der Wecker. Gemütliches Vorbereiten, um später möglichst wenig Zeit auf den Dixi-Klos verbringen zu müssen, auch dies alles Routine.
In der Wechselzone schlägt Murphys Gesetz, dass irgendwas immer schiefgehen muss, auch noch nicht zu. Später warte ich warm im Neo eingepackt und in der Menge auch gut windgeschützt eine Stunde lang auf den Rolling Start. Noch regnet es nicht.

Zum Glück ahne ich da noch nicht, was alles Krasse und Spannendes an diesem Tag noch passieren sollte :chris76

Reinfall

Als ich die Zeitmessschranken mit zwei anderen Sportlern überschreite und mich an der Rampe sanft ins Wasser gleiten lassen will, macht es Plumps :laugh: .
Die Rampe war schon zu Ende, ich tauche erst mal unvorbereitet tief unter Wasser ,schwimme zurück an die Oberfläche und bin jetzt wach.

Das Wasser ist 19 Grad kalt, aber ok. Dummerweise ist meine Schwimmbrille schnell beschlagen, die Bojen sehe ich nur schlecht, aber die Brücken kam man ja als Orientierung nehmen. Das Schwimmen verläuft relativ entspannt, da hatte ich schon ganz andere Kloppereien erlebt.
Bei der Wende verliere ich bei, mittlerweile starken Wellengang, kurzzeitig die Richtung und drifte zu weit ab. Nach diversen kurzen Stopps sehe ich wieder die Meute und die Bojen. Der Rückweg klappt ebenfalls relativ ordentlich, irgendwann ziehen mich starke Arme beim Schimmausstieg aus den Wasser. Ich benötige kurz wieder etwas Zeit, um nicht zu sehr zu schwanken. Die Schwimmzeit von 1.31 Std. ist zwar für mich nach den Trainingsleistungen etwas entäuschend, spielt aber heute keine wirkliche Rolle. Heute zählt nur Ankommen.

In der sehr langen Wechselzone brauche ich 15 Minuten, um zusätzlich auch noch eine Radjacke, Stirnband, Armlinge, Calf Sleeves und das übliche Geraffel anzuziehen.

Pleitenserie ohnesgleichen

Ziemlich schnell merke ich den heftigen Gegenwind, bleibe aber ruhig und gelassen, wie im Training halt auch. Nach 10 km und Richtungswende kommt der Rückwind, klasse. Toller Blick auch auf den Hafen. Ich kenne die folgenden Passagen noch ganz gut von 2023 und 2024. Läuft.
Am Deich wird es dann allerdings richtig krass. Statt früher hier mit Rückenwind, bläst uns der Wind mit immer wieder heftigen Böen entgegen :eins . Aufrecht auf meinem besseren MTB mega bremsend. Trotzdem bleibe ich dran, versuche nicht zu überziehen.
Bald sehe ich einzelne Sportler mit Pannen am Wegesrand. Schade.
viele Glassplitter sehe ich nur einmal am Wegesrand, kurz nach KM 40, sonst nichts.
Ich rätsle noch, da kommt der Regen. Heftig, kalt. Dann werden es immer mehr Pannen, so viele hatte ich noch nie gesehen :oops: . Was ist denn hier los?
Manche stehen im strömenden Regen im Gras, versuchen ihre Reifen zu flicken, andere bekommen Hilfe von Anwohnern, die sogar mitunter selbst anpacken, oder mit Unterstand oder Kleider aushelfen :daumen .

Jetzt wird mir doch etwas mulmig. Wenn ich auch eine Panne haben sollte, zweifle ich, ob ich es bei diesen Bedingungen und unter dem enormen Druck mit meiner MS schaffen würde. Daheim ja. Hier fraglich. Und wenn ich dann mitten in der Pampa allein und durchnässt nicht weiter käme?
Ich hoffe auf Glück, achte möglichst genau und vorsichtig zu fahren und wenigstens irgendwie nach Hamburg zu kommen. Später zumindest mit deutlichem Rückenwind.
Es dauert, aber dann ist die erste Runde beendet. Das gleiche noch einmal? Zwischendurch hörte es auf zu regnen. Meine Kleiderwahl ist zwar aerodynamisch sehr bremsend, aber hilft. Weiter.

Viel später, wieder am Elbdeich. Immer noch sehe ich Sportler, barfüssig oder strümpfig die Räder schiebend, laufen, wohl die Servicestellen ansteuernd. Andere am Wegesrand verzweifeln.
Zwischendurch immer wieder Regen. Auf dem Rückweg statt des erhofften Rückenwinds plötzlich immer noch Gegenwind. Kilometer für Kilometer. Hat der Wind ungünstig gedreht? Jetzt wird richtig herb .
Später wird es windtechnisch doch wieder einfacher, dranbleiben. Irgendwann kommt der Zeitpunkt, an dem ich das Rad schiebend, zumindest den Radpart beenden könnte.
Nach 6.59 Stunden geschafft. Wechsel mit Blasenerleichterung in 9 Minuten.
Radjacke und Amlinge auszuziehen?

Spoiler: wie ich erst nach dem Rennen erfahren sollte, waren es kleine, schwarze Metallsplitter, die auf der Radstrecke ausgeworfen wurden. Unmöglich zu sehen, also reines Glück, ob man durchkam oder nicht.

Nie wieder

Ich behalte beides an, stecke aber Armlinge und Stirnband ziemlich schnell in meine Rückentaschen. Auf dem Kopf trage ich jetzt, wie üblich, meine grüne Laufkappe von der Challenge Roth :censored .

Meine Muskeln sind überall am Körper arg verkrampft, trotzdem humple ich fast einen 6er Schnitt. Das wird nicht lange gut gehen, aber die ersten 10 Km ziehe ich in 1.03 Stunden noch durch. Dummerweise scheitere ich an der Aufnahme von säurefreien Gels, die ich im Trainig noch super verkraftete. Selbst meine sonst bewährte Geheimwaffe mit Traubenzuckerstückchen hilft diesmal nur bedingt.
Die zweite Runde wird schon arg herb. Der Regen ist wieder zurück. Mal kurz und heftig, mal nieselnd dauerhaft.

Zu Beginn der dritten Runde kriege ich meine erste Krise. Bis dahin war ich trotz allen Widrigkeiten erstaunlich gelassen und geduldig. Doch jetzt drohe ich zu scheitern. Versuche Energie zuzuführen, bringen nichts mehr, der Säuregeschmack ist zu groß, selbst Wassertrinken ist kritisch, da ich dann zu wenig atme und mein Kreislauf zu kippen droht. Nie wieder?

"Ich bin und bleibe, gesund, fit, muter gelassen und zufrieden".
"Ich werde den Ironman 20026 erfolgreich, gesund, munter und zufrieden finishen".


Meine Mantras der letzten Wochen, mehrfach täglich gesprochen, werfe ich jetzt auch in die Waagschale, wiederhole sie mehrfach und immer wieder. Bis ich es wieder selbst glaube
Noch bis ca. km 24, dann ist Schluß.
Mit dem Traben. Für was habe ich die letzten Monate so ausgiebig Wandern trainiert?
Das muss jetzt auch zum Einsatz kommen

Ich ziehe wieder die Armlinge an. Keine Energiezufuhr mehr, genügend Wasser kommt eh von oben , gerade mitten in einem gewittrigen Platzregen. Bald auch in tiefen Pfützen von unten. Wasser überall :laugh: .

Die Stimmung ist aber weiter prächtig. Die letzten Athleten werden umso begeisternder angefeuert, auch von Herzblatt. Zwischendurch schnaufe ich bewusst besonders stark und summe wieder Lieder und meine Mantras. Solange der Puls nicht kippt, komme ich ins Ziel. Puls von ca. 90 passt dazu.
Es dauert, aber meine Stimmung wird wieder gelöster. Der Druck ist raus. Wandern kann ich auch ohne Energie. Irgendwie genieße ich sogar auch den heutigen Wahnsinn. Wieder eine phantatische Geschichte, ein Erlebnis, das mir keiner mehr nehmen kann.
Nach 14.43 Stunden finishe ich glücklich und zufrieden :win

Kreislauf top, lediglich muskulär entsprechend merkbar. "Ironman" Nummer 22 geschafft :bse .

Jetzt erst recht, das diesjährige Motto zur MS, war auch meine Einstellung für den heutigen Tag und die letzten Wochen.

_________________
Für den Kuchen nach dem Sport :bse


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 Betreff des Beitrags: Re: MS: Mein Sport, Mein Spaß, Meine Sehnsüchte
BeitragVerfasst: 10 Jun 2026 07:38 
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Die Emu-Maus
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Registriert: 14 Jun 2010 08:56
Beiträge: 9179
Wohnort: Mainspitze
Herzlichen Glückwunsch zum Finish!

Du bist amtlich irre :cheer :blue :cheer :blue

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Leidenschaft meistert jede Krise. Est-ce qu'il sont fous, les français?
aktuell 2023 - und Spaß
und was davor geschah... runningmaus 2012: Kopf hoch!


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