chris.fall hat geschrieben:
Moin,
als Fachmann für Statistik(1) möchte/muss ich dazu
FMMT hat geschrieben:
Ob jetzt Interferon, Betaferon(?), ob Spritzen oder demnächst vielleicht Fumarsäure als Tablette, die möglichen Nebenwirkungen sind nicht ohne und die Erfolgsgarantie nur statistisch.
FMMT hat geschrieben:
Trotzdem ist es schon lustig, wie man Statistiken betrachten kann
Eine bekannte und gern zitierte Statistik über den Erfolg einer Immunmodulation(also spritzen) bei MS ermittelte nach zwei Jahren eine Schubrate von 0,82 bei den Placebopatienten sowie 0,67 mit Medikamenten.
mal etwas sagen.
Gerade bei medizinischen Fragestellungen wirst Du NIE einen 100% Nachweis der Wirkung bekommen. Denn meistens sind mehrere Faktoren - von denen viele oft unbekannt sind - daran beteiligt.
Nur ein paar Besipiele:
In einem vollbesetzten Raum/Bus/Wartezimmer hat jemand ein fette Erkältung und streut mächtig Viren. Trotzdem werden nicht alle angesteckt.
Nicht jeder Raucher bekommt einmal Lungenkrebs.
Auch Nichtraucher bekommen Lungenkrebs.
Der
statistisch gesicherte Nachweis, dass Dieselabgase tatsächlich Lungenkrebs verursachen, hat mehr als zwanzig Jahre Forschung gekostet.
usw. usw. usw.
Richtige statistische Auswerteverfahren geben gesicherte Auskunft über die Wirksamkeit eines Verfahrens (2), und ich gehe davon aus, dass diese Auswerteverfahren in der seriösen medizinischen Forschung auch angewandt werden. Nur sind diese Auswerteverfahren eben nicht allgemein verständlich, so dass es zu diesen schwammigen Prozentzahlen kommt, von denen man normalerweise - also alles was nicht Fachpublikation ist - liest. Lange Rede kurzer Sinn: Die von Dir genannten Prozentzahlen sprechen für mich schon für eine starke Wirksamkeit der Medikament.
Viele Grüße,
Christian
(1) Den "§%/§)(%/-Verglich, was ich mal gelernt habe, und was ich beruflich so mache, lasse ich mal weg. Jedenfalls kenne ich mich mit statistischen Auswertungen aus.
(2) Eigentlich geben sie nur Auskunft über die Wahrscheinlichkeit eines Zusammenhangs, und nicht über die Wirkung. So ist es relativ leicht statistisch zu belegen, dass die Babys von den Störchen gebracht werden. Es gibt eine eindeutige Korrelation zwischen der Geburtenrate und der Storchenpopulation. Der wirkliche Zusammenhang ist natürlich ein anderer: In ländlichen Gebieten ist die Geburtenrate höher (Vielleicht, weil die Menschen dort ihre Freizeit sinnvoller nutzen;-) Und natürlich gibt es auf dem Land auch mehr Störche.
Ja, die Statistik mit den Störchen kenne ich auch.

Bei MS ist allerdings nüchtern betrachtet die Wahrscheinlichkeit ohne Erfolg an Nebenwirkungen zu leiden ähnlich hoch wie die Erfolgsquote. Wobei, und dies ist vielleicht der entscheidente Punkt, geheilt wird daduch eh nicht, sondern nur eventuell hinausgezögert und eventuell die Auswirkungen etwas gemildert.
Pippi schrieb es ja schon sehr gut, alles kann gut oder falsch sein. Und ohne habe ich die Chance auf bessere Lebensqualität und Selbstbestimmung

. Ich kann selbst was bewirken, nicht eventuell vielleicht

ein Medikament, dass bei anderen wirkt, bei mir nicht. Wenn ich mal angefangen habe, soll ich das Medikament mein Leben lang spritzen oder nehmen.
Klar gibt es auch Fälle, wie Bellamartha, wo es mit Behandlung super klappt. Dann würde ich auch nichts ändern.
Es gibt allerdings auch Statistiken(ich sag ja, man kann alles beweisen

), die zeigen, dass früher oder später bis zu 50% ihre MS-Behandlung abbrechen. Die Ärzte überlegen Strategien, wie sie dies verhindern können. Aber für mich dann wieder das Argument, wenn so viele abbrechen, obwohl sie anfangs überzeugt waren, wieso soll ich es nicht erst Mal anders probieren, Potenzial zur Stressvernmeidung sehe ich, wie geschrieben, durchaus. Du hast irgendwo schon Recht.Bei der heutigen Scheidungsrate sollte man sich auch überlegen, dies zu riskieren. Die Nebenwirkungen können ganz schön hart sein, aber der Erfolg noch höher

. Hier stimmen Einsatz und Ertrag. Ansonsten bin ich in der Firma auch ein Freund von Statistiken, besonders wenn ich sie selbst gestaltet habe
